Forschung

Ausgangspunkt meiner Forschungsprojekte ist die prozessorientierte und IT-getriebene Sichtweise auf Unternehmen. Aus der Abbildung von Prozessen auf meist funktional oder divisional organisierte Unternehmen ergeben sich zahlreiche Ansatzpunkte für die Entwicklung neuartiger Modelle, Konstrukte und Theorien. Hierzu gehört insbesondere auch die Untersuchung von IT-Prozessen, die andere Unternehmensabläufe befähigen. Die meisten meiner Veröffentlichungen folgen dem konstruktivistischen Ansatz. In einem iterativen Prozess werden für ein praktisches Forschungsproblem Artefakte (z.B. IT-Prototypen) entwickelt und anhand anerkannter Methoden evaluiert.


Überzeugungen

Relevance vor Rigor

Ich bin der festen überzeugung, dass gute Forschung die Kriterien Rigor und Relevance gleichzeitig erfüllen kann, wobei die Praxisrelevanz vorab geplant sein sollte und insbesondere praktische Probleme in Forschungsfragen zu überführen sind. Die Wissenschaftlichkeit resultiert aus der Anwendung anerkannter Methoden der Wirtschaftsinformatik, einer Evaluation der Ergebnisse sowie natürlich auch einer externen Prüfung der Ergebnisdokumentation (z.B. im Rahmen eines Peer-Review-Verfahrens).

Validierung vor Verifikation

Evaluationen sind fester Bestanteil meiner Forschungsprojekte. Die Ergebnisse des Erkenntnisfortschritts sollen auch in der Unternehmenspraxis angewendet werden können. Um die Wirkungsweise zu illustrieren sowie den Mehrwert in realen Szenarien nachzuweisen prüfe ich nicht primär, ob Ergebnisse spezifizierten Eigenschaften erfüllen (Verifikation). Vielmehr kommen in meiner Forschung reale Fallstudien, Simulationen oder Umfragen zum Einsatz, um den Nutzen für das adressierte praktische Problem nachzuweisen (Validierung).

Zweck vor Format

Ich wähle das Publikationsziel meiner Ergebnisse so, dass ich Erkenntnisse möglichst effizient einer interessierten wissenschaftlichen Gemeinschaft und ebenso Praktikern vorstellen kann. Dazu gehören neben wissenschaftlichen Plattformen (z.B. Journals) auch Fallstudiensammlungen und Handbücher für Praktiker. Auf diese Weise erreiche ich die Zielgruppe meiner Forschung, beispielweise Prozessverantwortliche, IT-Projektleiter und Unternehmensstrategen.


Laufende Projekte

DATA SCIENCE FüR PROZESSOPTIMIERUNGEN

In immer mehr Unternehmensprozessen stehen umfangreiche Daten zur Verfügung. Moderne Data Science-Techniken bieten die Chance, Abläufe automatisiert zu verbessern. Das Forschungsprojekt stellt Prinzipien auf, mit denen eine erfolgreiche Zuordnung zwischen Daten, Techniken und Prozessen möglich werden soll.

Lederer, M. & Riedl, J. (2018). Data Science-Anwendungen für Prozesse des Investment Bankings. BIT Banking and Information Technology, 19(2), 17-28.

Digitalisierung von B2B-Transaktionsprozessen

Die vielfach diskutierte digitale Transformation von Geschäftsmodellen hat oft einen Fokus auf Endkonsumenten. Der Wirtschaftsstandort Deutschland kann in der aufkommenden zweiten Digitalisierungswelle von geschäftlichen Transaktionsprozessen (B2B) profitieren. Hierfür sammelt das Forschungsprojekt erfolgreiche Business Cases aus traditionellen und mittelständischen Unternehmen, um Erfolgsmuster abzuleiten.

Lederer, M. & Bruns, J.G. (2019). Success Patterns for the Digital Transformation of B2B Commerce. In Proceedings of the International Conference on Information Systems. Utrecht: Utrecht University of Applied Sciences/International Association for Development of the Information Society.

FORSCHUNGSTRENDS IN SCM-PROZESSEN

In einer Metastudie wird untersucht, ob die Beiträge in Academic Journals die Belange von Prozessmanagern aus der Unternehmenspraxis thematisieren. Das Forschungsprojekt prüft die Relevanz der Themen aus Sicht von Praktikern, den zeitlichen Verzug bei der Veröffentlichung von Forschungsergebnissen sowie den Grad der Grundlagenforschung im BPM-Umfeld.

Veröffentlichung folgt.

FORMALISIERUNG VON DIGITAL-PROZESSEN

Beschreibung folgt.

Lederer, M., Schmidt, W., Fleischmann, A. & Avci, R. (2018). Taking Advantage of Business Process Management Approaches in Requirements Engineering. Proceedings der Modellierung 2018. Braunschweig: Gesellschaft für Informatik.

ERFOLGSBEDIGUNGUNGEN FüR DIGITALE STARTUPS

Um im kurzfristigen Wettbewerb um digitale Ideen bestehen zu können, gründen Großunternehmen vielfach Start-Ups oder Inkubatoren. Studien weisen jedoch darauf hin, dass der Transfer von Lösungen zum Skalieren in der Muttergesellschaft oft misslingt. Das Forschungsprojekt hat zunächst eine große Datenbank von Inkubatoren aus Europa aufgebaut, um dann Erfolgsprinzipien für diese Form der Unternehmensentwicklung abzuleiten.

Hille, M., Lederer, M. & Forster, D. (2019). Revitalizing established Industrial Companies: State of the Art and Success Principles of Digital Corporate Incubators. In Proceedings of the 14th International Conference on Wirtschaftsinformatik. Siegen: WI2019.

Abgeschlossene Projekte

DIGITALISIERUNG VON PROZESSEN

Viele der aktuell im Kontext des Megatrends "Digitalisierung" thematisierten Konzepte (z.B. Digitale Fabrik und Smart Home) ergeben sich aus einem IT-gestützten Prozessmanagement (z.B. Workflowmanagement in Produktionslinien bzw. Kundenintegration in Dienstleistungsprozessen). Dennoch werden die Forschungsergebnisse des Geschäftsprozessmanagements (z.B. Process Mining) noch zu wenig in den Forschungs- und Praxisdiskurs der digitalen Transformation von Unternehmen (z.B. Möglichkeiten des Predictive Maintenance) einbezogen. Im Rahmen dieses laufenden Forschungsprojekts analysiere ich zusammen mit Kollegen (u.a. der Technischen Hochschule Ingolstadt sowie des Karlsruher Instituts für Technologie), welche Synergien sich zwischen diesen beiden Communities ergeben können.

Lederer, M., Schott, P. & Knapp, J. (2017): The Digital Future has Many Names - How Business Process Management drives the Digital Transformation. In Proceedings of the 6th International Conference on Industrial Technology and Management (S. 22-26). Cambridge: IEEE.

PROCESS2IT

In meinem ersten Forschungsprojekt habe ich ein Modell aufgestellt, das auf Basis von fundamentalen Prozesseigenschaften (z.B. hohe Flexibilität, starker Automatisierungsgrad) geeignete IT-Systeme für deren Unterstützung empfiehlt (z.B. Modellierungstools oder Groupware-Lösungen). Die positive Evaluation fand im Rahmen von Befragungen von IT-Managern/IT-Managerinnen statt.

Lederer, M., Huber, S. & Bodendorf, F. (2015). BPM-Tools im überfluss - Wie strategische Kriterien die Auswahl des richtigen IT-Werkzeugs beeinflussen. In F. Berglehner, K. Wilbers, K. (Hrsg.), Schulisches Prozessmanagement - Einführung, Praxisreflexion, Perspektiven (S. 294-332). Nürnberg: Texte zur Wirtschaftspädagogik und Personalentwicklung.

ERFOLGSFAKTOREN MODERNER BALANCED SCORECARDS

Die Balanced Scorecard ist als klassisches Konzept etabliert, jedoch entfaltet sich ihr voller Nutzen nachweislich in nur wenigen Unternehmen und IT-Projekten. Diese Metastudie zeigt in zwei Stufen zunächst Erfolgs- und darauf aufbauen Weiterentwicklungsprinzipien moderner Scorecards im Kontext des Prozessmanagements. Die Veröffentlichung der Ergebnisse folgt bewusst dem Format eines Praxishandbuchs (genannt "Kochbuch"), da die Evaluation der Ergebnisse in einer großen Fallstudie organisiert wurde. Die zweite Volume als Fortführung der ersten Untersuchung erscheint 2020.

Lederer, M., Raake, D. & Kurz, M. (2014). The BSC Cookbook: Vol. 1 - Ingredients for a Successful Balanced Scorecard. Ingolstadt: I2PM.

STRATEGIE-PROZESS-MATRIX

Die Strategie-Prozess-Matrix ist eine Notationserweiterung der Business Process Model and Notation (BPMN), mit der die strategischen Beiträge eines Prozessablaufs modelliert werden können. Mit den neuartigen Diagrammen ist es Prozessmanagern möglich, Kontrollflüsse intuitiv zu optimieren und den Einsatz von Prozessressourcen (z.B. Personal, Maschinen, IT-Anwendungen) anhand eines Algorithmus zu planen. Die Notation wurde in Befragungen auf ihre Gebrauchstauglichkeit sowie auf ihr aufbauende Konzepte in Fallstudien und Simulationen erfolgreich evaluiert.

Lederer, M., Kurz, M. & Lembcke, U. (2014). Applying the Strategy-oriented Business Process Modeling to S-BPM. In C. Zehbold (Hrsg.), Communications in Computer and Information Science Volume 422: S-BPM ONE Application Studies and Work in Progress (S. 67-84). Cham: Springer.
Lederer, M. & Huber, S. (2014). Connectivity, Simplification, and Performance Measurement: Guidelines for Business Process Strategists in Re-Engineering Projects. International Journal on Computer Science and Information Systems, 9(2), 132-145.

PROZEßORIENTIERTES BUSINESS-IT-ALIGNMENT

Das Vorgehen des prozessorientierten Business-IT-Alignments identifiziert Stellen in IT-gestützten Abläufen, an denen Daten, Funktionen oder Darstellungen von eingesetzten Anwendungen die Operationalisierung von Geschäftsvorhaben verhindern. Zu jeder so identifizierten IT-Barriere erfasst der anwendende Manager in einem vorgegebenen Template notwendige Anpassungen (z.B. Funktionsabläufe, beteiligte Rollen, Abhängigkeiten), die automatisiert zu einem Lastenheft zur übergabe an IT-Spezialisten konsolidiert werden. Die positiven Effekte des Vorgehens konnte ich zusammen mit einem Kollegen in einer Feldanwendung quantitativ nachweisen.

Lederer, M. & Schott, P. (2015). Managing Consistency of E-Service Requirements for Business Processes. In IEEE (Hrsg.), Proceedings of the 2015 Annual SRII Global Conference. Silicon Valley: IEEE.

ADAPTIVE CASE MANAGEMENT UND BPM 2.0

Zusammen mit Kollegen habe ich Vorgehen, Notationen und konkrete IT-Lösungen für innovative Paradigmen des Prozessmanagements veröffentlicht. Sie folgen dem Ansatz der Beteiligung von Mitarbeitern/Mitarbeiterinnen an der Modellierung und Ausführung von Prozessen (BPM 2.0) sowie der fallbasierten Bearbeitung von Abläufen im Unternehmen (Case Management).

Huber, S., Lederer, M., & Bodendorf, F. (2014). IT-enabled Collaborative Case Management: Principles and Tools. In Waleed W. Smari, Geoffrey C. Fox, Mads Nygard (Hrsg.), Proceedings of the 2014 International Conference on Collaboration Technologies and Systems (pp. 259-266). Stoughton: IEEE by The Printing House.
Huber, S., Schott, P. & Lederer, M. (2015). IT-enabled Adaptive Open Innovation. In ECIS 2015 Completed Research Papers. Münster: ECIS.
Kurz, M., Schmidt, W., Fleischmann, A., & Lederer, M. (2015). Leveraging CMMN for ACM: Examining the applicability of a new OMG standard for adaptive case management. In J. Ehlers & B. Thalheim (Hrsg.), Proceedings of the S-BPM ONE '15. New York: ACM.

BPM RECOMMENDER

Der "BPM Recommender" stellt eine Datenbank mit Empfehlungssystem für Prozessmanager/Prozessmanagerinnen unterschiedlicher Domänen bereit: Der Verantwortliche/die Verantwortliche wählt zunächst aus 20 typischen Prozesszielen die für einen Ablauf passenden. Das System schlägt, geordnet nach sechs Prozessgruppen (z.B. Supply Chain Management, Wissensmanagement), bis zu 862 konkrete Optimierungsmaßnahmen mit State of the Art-Kennzahlen für die Optimierung des Prozessablaufs und der zugrundliegenden IT-Infrastruktur vor. Ein Auszug des Empfehlungssystems für das Product Lifecycle Management steht unter http://www.bpm-recommender.de/plm zur Verfügung.

Lederer, M. & Gerber, S. (2015). Ein Empfehlungssystem für Prozessoptimierungen im Product Lifecycle Management als Ideengeber und Entscheidungshilfe für mittlere Manager. In O. Thomas & F. Teuteberger (Hrsg.), Proceedings of the 12th International Conference on Wirtschaftsinformatik (S. 408-422). Osnabrück: WI2015.

ASSESS YOUR INTERFACE

Dieses aktuell laufende Forschungsprojekt hat zum Ziel, die Kritikalität von verschiedenen Workflow-Schnittstellen in Unternehmen zu bestimmen. Hierzu konnte ich bereits Faktoren mit Kennzahlen identifizieren, die eine kritische Schnittstelle charakterisieren. Ein mathematisches Modell sowie Branchenstandardwerte für die ermittelten Kennzahlen sollen in ein Prognosemodell münden, das 2017 auf einer Online-Plattform (aktueller Stand auf www.assess-your-interface.com) für IT-Manager/IT-Managerinnen zur Verfügung gestellt wird.

Lederer, M. & Heider, L. (2016): It is all About the Interface: Factors which Drive Process Interface Criticality in Organizations. In Proceedings of the 42nd Euromicro Conference on Software Engineering and Advanced Applications. Los Alamitos: IEEE.